spirituelle Putz- und Räumwoche

10. bis 19. April 2009

Am Karfreitag trudeln die ersten am Nachmittag ein, öffnen zuerst einmal alle Fenster und Türen um die Sonne und den Frühlingswind herein zu lassen und rechen dann das Laub im Garten und auf dem Nordplatz. Am Abend sitzen wir um ein Feuer draussen beim Abendessen. So friedlich, so ruhig, so wohltuend, ein ganz langsamer Start in die Woche.

Samstagmorgen, wir starten nach einer Befindlichkeitsrunde mit der Arbeit: Im Erdgeschoss beim Eingang richtet Rene H. ein Büro ein, die Meditationsräume im Hauptgebäude werden begutachtet und eingerichtet, Zimmer werden inspiziert, die Koch-Equipe bereitet den Zmittag vor. Rechtzeitig zum Essen kommen noch mehr aus der Gemeinschaft dazu, am Abend sind wir schon fast ein Dutzend Personen. Während die einen am Nachmittag eine Bestandsaufnahme aller Betten im Haus machen und Ronny in Bettinas Wohnung 30 Hefe-Osterhasen bäckt, bereiten Andrea S. und Anne mit den Kindern das Osterfest vor. Dank einer Initiative von Mieke und Susann, beginnt die Einrichtung unserer provisorischen Küche in der Cafeteria. Jamara sorgt immer wieder dafür, dass alle Fenster am Morgen geöffnet werden.

Für Sonntag ist endgültig klar: der geplante Tagesbeginn um 7.00 Uhr mit einer Stunde Meditation ist für alle zu früh. Wir einigen uns darauf, den Tag um 8.00 Uhr im Meditationsraum in stiller Meditation zu beginnen und um 8.30 Uhr dann miteinander zu singen. Rene D. ist in aller Treue jeden Morgen der erste im Meditationsraum, aber er bleibt zum Glück nie allein. Um 9.00 Uhr treffen wir uns dann alle im Kreis zu einem Lied, einem Tanz, einem Spiel, dem Zuhören und Erzählen, wie es uns geht und was für den Tag geplant ist. Diese Morgenstruktur bewährt sich für die ganze Woche. Oft werden es mehr Tänze, mehr Spiele, so wie es uns gerade gut tut.

Am Sonntag ist Familientag angesagt und auch neue Familien stossen zu uns. Eine bunte Schar von Kindern und Erwachsenen sucht die liebevoll gerichteten Osternester im Garten. Zum Glück werden alle gefunden, es wäre doch schade gewesen um die von Andrea S. so liebevoll hergerichteten Nestchen, aber vor allem auch um die Schokolade…
Nach dem Essen organisieren sich die Kinder und fragen Andrea F., ob sie mit ihnen zum Spielplatz kommt. Die Erwachsenen nutzen die Zeit für eine Vorstellungsrunde. Wie immer ist es spannend, so viele Lebensgeschichten und so viele Wege, die zu unserer Gemeinschaft führen, zu hören. Als die Kinder vom Spielplatz wieder zurückkommen, malen sie voller Eifer Eier und auch Steine an, gut betreut von Mieke. Viel zu schnell verfliegt die Zeit und wir finden uns schon wieder zu einem Abschiedskreis zusammen. Langsam löst sich die grosse Gemeinschaft in kleinere Grüppchen auf, manche brechen auf, manche bleiben noch bis zum Abend – oder entscheiden sich spontan, zwischen Tischtüchern in einem Gästezimmer zu übernachten.
Am Abend wird Bettina mit einem Attunement (Einstimmung) in die Gemeinschaft aufgenommen. Der Abend klingt mit Biodanza (ein Geschenk von Bettina an uns) aus.

Am Montag beginnt die Arbeitswoche, neben der Morgen-Struktur bewährt sich auch am Nachmittag um 15.00 Uhr ein Kreis mit Liedern, Tänzen und nötigen Absprachen. Monique, Daria und Jamara haben immer wieder neue Tänze auf Lager.
Es wird in der ganzen Woche viel im Haus geräumt und umgestellt, alle Fernseher werden aus den Zimmern entfernt, ( hier noch mal ein Danke an Hans-Ruedi, durch dessen Hände alle Fernseher gegangen sind!) neben der Grossküche richten wir ein provisorisches „Brocki“ ein mit all dem, was noch zu verwenden wäre, aber uns nicht dient und in der Küche entsteht eine Recyclingstation es wird überall geputzt und aufgeräumt. Dank Cornelias Putzmitteln bekommen die Fenster in der Cafeteria neuen Glanz. Pietro, Rene H. und Helena reissen die Holzdecke in der Cafeteria herunter und richten uns einen Zmorge-Raum neben der provisorischen Küche ein. Marcel druckt neue Pläne der Wohnungen, hängt sie in den Empfang und bereitet die Baubewilligung vor. Mieke räumt unermüdlich Schubladen und Schränke aus und sortiert alles, was ihr in die Hände kommt. Anne trägt Levi und zugleich noch Betten und Tische durchs Haus. Ronny schlägt die Fenster im Untergeschoss endlich frei. Nach einer gemeinsamen Begehung des Geländes und einen Austausch von vielen Visionen, beginnt Andrea F. im Garten zu wirken.
  

Erschöpfte erhalten von Daria Reiki oder von Monique eine Akupunkturbehandlung. Mittags und abends verwöhnen uns die Koch-Equipen mit wundervollem Essen – und niemand hat gezählt, wie unendlich viel Rüebli Veronika und Helena geschält haben und wie viel Geschirr sie gespült haben… Und nicht zu vergessen: zwischendurch treffen sich auch Arbeitsgruppen zu Sitzungen.

Aber auch die nähere Umgebung wird erkundet: Monique kommt begeistert von einer Wanderung durch die Wissenbachschlucht zurück. Und Veronika und Helena kennen immer mehr vom Dorf.
 

An den Abenden wird gemeinsam gesungen, getanzt, diskutiert, das Zusammensein genossen. Einmal beleuchten Kerzen den Weg zu einer Disco im Erdgeschoss, ein ander Mal führen uns Anne und Andrea S. durch ein Gespräch zum Thema: „Was ist schön?“ Es ist gar nicht so einfach, immer den Geschmack von allen zu treffen – auf die Frage: „Ist das nicht schön?“ kommt auch mal die Antwort: „Naja, aber ich finde es schön, dass du das schön finden kannst…“

 Ein Bio-Bauernhof in der Umgebung von Degersheim, der auch der Besitzerin des Sennrüti gehört, wird am Mittwoch von einigen von uns besucht. Welche Rolle wird dieser idyllisch gelegene Bauernhof in unserer Gemeinschaft spielen? Die Begegnung mit der Pächterin war inspirierend.

Am Donnerstagmorgen findet das Attunement für Cornelia statt. Die Gemeinschaft wächst und damit wächst die Freude in uns.
Leider wird es am Donnerstagnachmittag wieder kalt. Bis Donnerstag hatten wir viel Zeit im Garten verbringen können. Und gerade jetzt, wo wir Gäste eingeladen haben, müssen wir uns wieder nach drinnen verziehen: wir haben die Menschen, die im Personalhaus wohnen, und auch Barbara König, zu einem Zvieri eingeladen. Bei Kaffee und Tee und Guetzli aus dem Claro-Laden plaudern wir miteinander und kommen uns näher. Es freut uns, wie offen und herzlich die Menschen mit uns umgehen.

Schön ist auch zu sehen, wie Bettina diese Woche neben ihrer 100 % Stelle einen Vorgeschmack von einem gleichzeitigen Leben in Sennrüti erfahren kann. Ihr Kommen und Gehen gab auch uns anderen eine Idee davon, wie es im Alltag dann aussehen wird.

Schon steht der Samstag vor der Tür: Es ist Info-Tag und es haben sich 12 Personen angesagt, die unsere Gemeinschaft kennen lernen wollen. Kaum leben wir im Sennrüti, kommen sie schon von allen Seiten zu uns. Wir von der Gemeinschaft sind wohl genauso gespannt auf die „Neuen“ wie die, die sich auf den Weg zu uns machen. Um 12.00 Uhr empfangen wir die Interessierten, bilden mit ihnen einen grossen Kreis – und schon bald sitzen und stehen wir in verschiedenen Grüppchen zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir wissen schon so manches voneinander, als wir zur Teilete in den Speisesaal gehen. Zum ersten Mal in diesem Jahr nutzen wir den Speisesaal zum Essen – und wir stellen fest, wie viel Platz er bietet. Nach lebhaften und spannenden Gesprächen beim Essen brechen wir in zwei Gruppen zur Hausbesichtigung auf. Für die ausführliche Vorstellungsrunde holen wir uns Stühle mit nach draussen und bilden einen grossen Kreis im Garten. Es ist beeindruckend, mit über 20 Personen im Kreis zu sitzen und voneinander zu hören. Die Kälte treibt uns dann aber wieder ins Haus. Zwei Tänze runden den Tag ab und wir verabschieden uns wieder von unseren Gästen. Ob sich manche wieder bei uns melden, vielleicht sogar Schnupperer werden wollen? Es ist immer wieder ein Loslassen, ein Einüben ins Vertrauen, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit zu uns finden werden.

  

Am Samstagabend klingt die Woche vor dem Feuer im Empfang ruhig aus. Eine kleine Gruppe räumt noch am Sonntagmorgen das eine oder andere auf, und langsam kommt für alle der Abschied vom Sennrüti. Es fällt schwer, wieder zu gehen, wir sind im ehemaligen Kurhaus schon zuhause.