SCI- Lager

Sennrüti vom 8. bis 22. August 2010

Der Service Civil International Schweiz setzt sich als Nonprofit-Organisation für gewaltfreie Konfliktlösung, nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch ein. Durch die Vermittlung von engagierten Freiwilligen unterstützt der SCI Schweiz bewusst ökologische, soziale und kulturelle Projekte in der Schweiz (www.scich.org).

Da haben wir uns miteinander auf ein Abenteuer eingelassen, als wir dem Verein SCI zugesagt haben, dass 10 junge Menschen aus aller Welt 14 Tagen bei uns mithelfen können. Viele Stunden haben wir geplant und uns gefragt, was es alles so braucht, damit die Gäste sich bei uns wohl fühlen. Auch die Arbeiten, die angestanden sind, mussten vorbereitet werden, das Material eingekauft, die Menschen der Gemeinschaft, die unterstützend zur Seite stehen würden, eingearbeitet werden. Auch für das Frühstück, Znüni und Zvieri, das Mittagessen und Nachtessen musste eingekauft und geplant werden. Da war Bertas Hilfe und Einsatz ein wahrer Segen: sie sorgte dafür, dass die Vorräte nicht ausgingen, wusste immer was es hatte und zeigte den jungen Leuten, wie Frau echten Schweizer Zopf macht.
Am Samstag kamen die ersten 2 und am Sonntag brachten Wind und Regen die restlichen Jungen Menschen zu uns ins Sennrüti. Zwei weitere Leute hatten im letzten Moment abgesagt, und wir staunten nicht schlecht als am Sonntagmorgen ein Telefon kam von 2 arbeitswilligen Niederländern, die für 5 Tage mithelfen wollten.

kreislinks1 kreis mitte kreis rechts

Nach dem Ankommen wurden die Zimmer verteilt und gab es für alle eine wärmende Suppe in der Cafeteria. Am Abend trafen sich dann die SCI Leuten mit den Erwachsenen der Gemeinschaft, welche sich interessierten, was für Menschen denn da bei uns mithelfen möchten. Es wurde ein grosser „sich-kennen-lern-Kreis“. Unsere Gäste waren: Akiko von Tokio, Anna von Barcelona, Daniel von Solothurn, Dilyara von Moskau, Simon von Antwerpen (Belgien), Yasuhiro von Miyazaki-ken (Japan), Zaneta und Pavlina aus Tschechien und die beiden Niederländer Albert und Rob.
Ein paar blieben nach dem Kreis noch eine Weile für Gespräche und Gesellschaftsspiele, die wir in der Ostseite vom Speisesaal aufgestellt hatten. Aber die, die von weit her kamen, lockte das Bett.

how high can it be scedule gartenführung
Am Montagmorgen haben René H. und Mieke nach einer Befindlichkeitsrunde sich dann viel Zeit genommen, den jungen Gästen das Haus und den Garten zu zeigen und die vielen Informationen weiter zu geben, die es braucht, damit sich die Helfer bei uns daheim fühlen können.
Erst nach dem Znüni haben wir die ersten Arbeiten im Garten gezeigt. Wir hatten während der ganzen zwei Wochen wirklich Glück mit dem Wetter. Obwohl die Vorhersage immer wieder Regen meldete, blieben wir weitgehend davon verschont und konnten fast immer im Garten schaffen.
roots everywhere love hut gut stampfen 

Arbeiten, die wir die 14 Tage in Angriff genommen haben:
- Bau des Weidenhags und die Vorbereitungen für die Beerenpflanzungen im Westen.
- Ausgraben von Wurzeln der wilden Brombeeren, Brennnesseln und von abgesagten Sträuchern, die jedes Durchkommen in der bestehenden Hecke unmöglich machten.
- Häckseln des anfallenden Grünzeugs, wobei wir alle stacheligen Stauden separat zum Trocknen gesammelt haben.
- Bepflanzung vom Hang unterhalb des Tipi-Platzes und Einrichtung von einem zweiten Sandkasten.
- Bau von neuen Wegen, neuen Beeten und neuen Plätzen, sodass die Wiese und die Beerenecke im Westen einfach zu erreichen sind.
- Arbeiten im Gewächshaus und Bau von Schneckenzäunen.
- Verteilung von Häcksel unter dem Kletterbaum.

giessen baumscheiben für lovehut beeren einpflanzen
Weiter haben wir an allen Ecken und Enden geholfen beim jäten und immer wieder gab es Wurzeln auszugraben. Der Weidenhag wollte weitergebaut werden. Jetzt wo ich diesen Bericht schreibe, fangen die Weiden, dank fleissigem Giessen, schon an auszulaufen.
Ständige Mithelfer waren Anne und der kleine Levi. Dem Letzten ging die Befindlichkeitsrunde und das Singen am Morgen, vor allem wenn es im Speisesaal stattfand, immer zu lange. Mit „Usse, Mieke, Usse“ nahm er mich an die Hand, damit es vorwärts ging. Andauernd hat er geholfen, Werkzeug an und abgeschleppt, gehackt, gehämmert, Abfall weggeräumt. Er war stets gut aufgelegt und hat alle SCI-Menschen ins Herz geschlossen. Und umgekehrt.

annelevi levi in karrette always a smile

Am Gartentag, an dem auch viele von der Gemeinschaft dabei waren, haben die Jungen sich getraut, mit Hilfe von René R. ein Feierabendplätzchen als Teil des Weidenhags zu bauen: eine Kuppelhütte aus Weidenzweigen mit runden Fenster nach oben, um den Mond und die Sterne zu sehen und mit zwei herzförmigen Fenstern. Der Boden wurde später mit Holz von den gefällten Fichten gemacht. Auch wurde mit dem Bau von einer Baumhütte angefangen und der Platz frei gemacht für das Seilbähnchen.

strawberries teabreak treehousediscussion
Jeden Morgen nach dem Znüni ging jemand von uns zum Kochen in die Küche, weil bei uns in Sennrüti Mittagessen für Gemeinschaft und Bauarbeiter angeboten wird. Am Abend kochten jeweils zwei der SCI-Leute zusammen etwas Feines, oft Gerichte aus ihrer Heimat. Da waren wir meistens ein kleinerer Kreis, weil nur die Menschen der Gemeinschaft dazu kamen, die auch am Nachmittag mitgeholfen hatten.
Berta war unsere Küchenfee. Sie hat immer geschaut, ob genug Essen im Hause war. Aber nicht nur das, sie war auch im Garten immer wieder dabei.
Am Abend war immer etwas los: ein Abendspaziergang rundum Sennrüti mit Aussicht auf Bodensee und Säntis. Da wurde auch die Idee geboren, den Säntis mal zu bezwingen. Wir schauten uns einen Film an und redeten bis in aller Nacht darüber. Markus steckte einige mit dem Jonglierfieber an und Veronica W. brachte mit Bodywork Entspannung für verkrampfte Muskeln. Zweimal hatten wir Disco, einmal mit René H. bis tief in die Nacht hinein. Das andermal mit Andrea, die mit einem lustigen Spiel angefangen hat. Singen am Klavier im Speisesaal oder mit Gitarre am Feuer. Abends am Feuer sitzen war fast schon eine ausgemachte Sache. Jemand zündete das Feuer an und schon kamen ein nach dem anderen für stundenlange Gespräche, viel Lachen, Singen oder einfach da sein. Pia und René R. machten an einem Abend ein Fondue am Feuer. So gab es für viele immer einen Grund aus den Wohnungen hinaus zu kommen und sich zu begegnen.
singen im speisesaal tanzen im speisesaal feuer am abend

Am letzten Samstag sind Monique, Berta und ihre Tochter Lucia mit den letzten 6 vom SCI-Lager innerhalb von 5½ Stunden von Wasserauen auf den Säntis gewandert. Sogar Yasuhiro hat es geschafft mit seinen geborgten Wanderschuhen, die halbwegs die Sohlen verloren hatten. Wie Stolz kamen sie zurück und genossen das Raclette am Abschiedsdinner.
Am Sonntagmorgen gab es noch einen gemeinsamen Brunch und dann ging es ans Packen und Zimmerputzen. Ich denke, wir haben da eine wunderbare Auslese von Menschen bekommen, die von Anpacken wissen, sei es in der Küche, wo jede und jeder mitgeholfen hat, sei es im Garten, wo die Neupflanzungen gegossen und immer alles aufgeräumt wurde, sei es im Haus, wo alles geputzt und weggeräumt wurde. Und dabei wurde alles mit Freude getan.
unterwegs pause auf säntis

Die Gruppe war so schön zusammengewachsen, dass das Abschiednehmen schwer fiel. Zurück bleiben die Erinnerungen an viel fröhliches Gelächter, an herrliches Klavierspiel, an Gitarrenklänge am Feuer, an gemeinsames Singen, an dieses Wir-Gefühl, das so warm und glücklich macht. Über 2000 Fotos wurden von Daria und Marcel auf eine DVD gebrannt und allen mitgegeben.
Und zurückbleibt eine Mieke, die dankbar ist für alles was hier im Garten und im Haus entstanden ist und sich freut auf einen weiteren Besuch von diesen wunderbaren Volunteers hier in Sennrüti.

Mehr Fotos: SCI-Camp (english)